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Bornes to Hike

Am verlängerten Wochenende, um den 1. Mai, fand das Bornes to Fly in Annecy statt. Mein erster Hike&Fly Wettbewerb. Der Wetterbericht ließ nicht viel Hoffnung auf Flugwetter zu und so zögerten wir ein bisschen, ob sich die weite Reise lohnt. Letztendlich haben wir doch unsere Sachen gepackt und sind am Mittwochabend Richtung Frankreich aufgebrochen. Mit viel warmer und regenfester Kleidung im Gepäck erwarteten uns am Donnerstag, der Tag der Einschreibung, noch ganz nette Flugbedingungen. Nadya und ich konnten vom Planfait, dem unteren Startplatz, einen schönen Flug machen.

Am Abend gab es nach der Einschreibung ein Briefing für die Teilnehmer, bei dem die Route bekannt gegeben wurde. Außerdem wurde der Start wegen der Wetterprognose auf 11 Uhr verschoben. Die Route führte vom Strand in Talloires nach Süden durch den Bauges Naturpark über den Col de Cherel Pass ins Örtchen Precherel. Luftlinie sind das 20km und 1000 Höhenmeter, von denen es vom Pass nach Precherel wieder 500 nach unten geht.

Der Weg über den Pass führt durch ein langes Tal, in dem es nicht erlaubt war, mit dem Auto zu fahren. Von dort aus mussten wir dann wieder 600m nach oben zur ersten Wende, dem Coche. Für Freitag waren häufiger Regen und viel Nordwind vorhergesagt. Unser Plan war es, wenn möglich, vom Pass nach Precherel abzugleiten, dann die Wende holen. Falls es nicht zu fliegen geht, wollte ich noch 10 km weiter laufen, damit ich am nächsten Tag, der fliegerisch ein wenig mehr erhoffen ließ, in der Früh auf einen Südoststartplatz gehen könnte.

In der Nacht schlief ich sehr schlecht, weil ich sehr aufgeregt war. Es hatte die ganze Nacht geregnet und die Berge hinter dem Startplatz waren leicht vom Neuschnee gezuckert. Nach einem guten Frühstück und letzten Vorbereitungen, gingen wir zum Start am Strand von Talloires, wo wir uns mit Sebastian, dem anderen deutschen Teilnehmer trafen. Als um 11 der Startschuss fiel, rannten viele der Teilnehmer los. Ich hatte mir vorgenommen das Rennen langsam anzugehen, da ich vorhatte, so lange wie möglich zu laufen. Die ersten 6km lief ich zusammen mit Sebastian als Schlusslicht. Ich machte dann eine kurze Pause, um eine Blase, die sich anbahnte, zu behandeln. Mit frisch getapeten Füßen ging es dann alleine weiter zum vereinbarten Treffpunkt mit Nadya, einem Parkplatz am Eingang des Tals. Dort gab es dann Mittagessen, um für den folgenden Teil der Route, auf dem ich ohne Supporter auskommen musste, gewappnet zu sein.
Auf dem Weg Richtung Col de Cherel, überholte ich schon die ersten Teilnehmer, was mir zusätzliche Motivation gab. Oben angekommen war an einen Flug nicht zu denken, der Wind pfiff mit mindestens 50km/h von Norden über den Pass und die Sicht betrug weniger als 20m. Oben entdeckte ich neben dem Schotterweg auch einen kleineren Wanderweg der nach unten führte. Der Weg war weder in meiner Karte noch auf meinem GPS eingezeichnet, aber ich beschloss ihn zu versuchen. Er führte relativ steil nach unten und verwandelte sich recht schnell in ein schlammiges Bachbett. So holte ich mir Nasse Füße, konnte aber dafür noch ein paar Teilnehmer überholen. Unten im Tal angekommen regnete es immer noch leicht und an den Wolken war der starke Nordwind zu erkennen. Trotzdem entdeckte ich die ersten Schirme, die vom Wendepunkt auf dem Coche Richtung Süden flogen. In Precherel angekommen, trocknete ich meine Füße, aß eine Kleinigkeit und verarztete die nächsten Blasen mit Blasenpflastern und Klebeband. Ohne mich lang aufzuhalten machte ich mich auf den Weg nach oben zum Wendepunkt. Das Wetter sah eher aus, als ob es sich weiter verschlechterte, die Wolken hingen unter Startplatz und der Regen wollte nicht aufhören. Die bisherigen Anstrengungen machten sich bemerkbar und ab der Hälfte des Aufstiegs sank meine Laune immer mehr. Oben im Nebel angekommen, dachte ich schon ans umkehren, um schneller wieder unten zu sein, aber aus irgendeinem Grund bin ich dann doch bis zum Startplatz gegangen.

Dort fand ich dann wider Erwarten einige startbereite Piloten vor. Der Regen hatte aufgehört und nur eine Wolke versperrte noch die Sicht ins Tal. Der Wind zog mit 10km/h den Hang hoch und bis auf die Sicht waren die Startbedingungen perfekt. Nachdem ich mir trockene Sachen angezogen hatte, verschwand die Wolke und die fertigen Piloten starteten. Schnell machte ich meinen Volt und das Kolibri fertig und startete. In der Luft waren die bisherigen Anstrengungen gleich vergessen. Gut gelaunt und ohne groß Höhe zu verlieren, machte ich mich mit Rückenwind auf den Weg nach Süden, Richtung nächsten Wendepunkt. Vom Startplatz ging es ca. 10km das Tal entlang bis zu einem Pass, bei dem das Gelände um 500m in ein breites Tal abfällt. Der nächste Wendepunkt, Val Pelouse, befand sich auf einem Berg auf der anderen Seite dieses 8km breiten Tals. Dieses galt es nun zu queren.
Die Schwierigkeit war ein langer Hügelrücken, der das Tal längs in zwei Teile teilte. Leider erwischte ich bei der Talquerung viel sinkende Luft und eine Baumreihe auf dem Hügel versperrte mir den Weg. Also musste ich auf dem Hügel landen. Dank hohem Gras und Rückenwind bei der Landung war meine Landung ein wenig härter als erwartet. Schnell rief ich Nadya an und teilte ihr mit, wo ich war. Ich packte meine Sachen und machte mich auf den Weg nach unten ins Tal. Auf halbem Weg nach unten holte mich Nadya auch schon ein und ich konnte mein Wasser auffüllen sowie frische Socken und Schuhe anziehen.

Inzwischen war es schon 19:45 Uhr und ich entschloss mich bis zur offiziellen Rennpause um 21 Uhr, auf einer Hauptstraße in Tal Mitte weiterzulaufen. Nach einer Stunde kam ich an einem Parkplatz vorbei und wir entschieden uns, dort zu übernachten. Für den nächsten Tag war das Wetter ein bisschen fliegerfreundlicher vorhergesagt, und so hoffte ich auf einen Flug vom Val Pelouse Wendepunkt.

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Am nächsten Morgen war ich dann doch sehr überrascht, dass sich meine Füße nach dem gestrigen 40km Spaziergang über Nacht sehr gut erholt hatten. Nach einem kleinen Frühstück ging es los. Als nächsten Treffpunkt wählten wir einen 8km entfernten und 350m höher gelegenen Landeplatz am Fuße des Berges, auf dem der nächste Wendepunkt zu finden war. Auf dem Weg dorthin kamen mir bereits die ersten Teilnehmer joggend entgegen, echt fit diese Franzosen.
Am Treffpunkt angekommen gab es dann ein zweites Frühstück, um für die nun folgenden 800 Höhenmeter gerüstet zu sein. Der aufkommende Nieselregen und die tiefe Basis ließen die Hoffnung auf einen Flug schwinden. In Erwartung, den gleichen Weg ohne den Schirm ausgepackt zu haben, wieder zurück ins Tal zu laufen, bat ich Nadya mit mir auf den Berg zu kommen. Der Weg zum Wendepunkt führte hauptsächlich über geteerte Straßen. Ab und an ließen kleinere Pfade eine Abkürzung durch den Wald zu, nicht immer ganz ohne das Risiko, sich zu verlaufen. Oben angekommen bestätigten sich die Befürchtungen, dass es nicht fliegbar war. Also schnell in trockene Klamotten geschlüpft und wieder runter zum Auto. Unten gab es dann erstmal eine heiße Suppe, damit wir uns nach den frostigen Temperaturen auf dem Berg wieder aufwärmen konnten.

Zur nächsten Wende waren es 26km im Tal und dann 1300m Höhenunterschied nach oben. Es gab zwei Möglichkeiten. Erstens, in den restlichen 7 Stunden, die mir an diesem Tag zum Laufen blieben, soweit wie möglich Richtung nächsten Wendepunkt zu laufen, oder nochmal 1000 Höhenmeter und 11km zum nächsten Startplatz zu laufen, und mit viel Glück von dort einen Abgleiter zu machen. Aufgrund des schlechten Wetters und der Vorstellung, bei nicht fliegbaren Bedingungen die 1000m ins Tal absteigen zu müssen, entschied ich mich leider dazu den direkten Weg im Tal zu versuchen.
Da ich noch zurück ins Tal musste, und ich mich auf dem Weg nach unten auch noch in bisschen verlaufen hatte, schaffte ich in den nächsten 3 Stunden nur 7km Richtung nächster Wende gutzumachen. Das war nicht sehr aufheiternd. Zusätzklich machte mir jetzt die Müdigkeit in den Beinen und die etwas härtere Landung vom Vortag zu schaffen. Nadya motivierte mich, weiter zu gehen. Eine Stunde später und 5km weiter befand ich mich dann direkt unter dem Startplatz an dem sich die vorletzte Wende befand und konnte beobachten, wie mehrere Piloten von dort aus Richtung nächste Wende flogen. Das gab mir den Rest. Wir beschlossen an dem Berg zu pausieren und am nächsten Tag zum Startplatz hochzulaufen. Von dort aus wollten wir versuchen, die nächste Wende im Flug zu nehmen. Während Nadya das Abendessen zubereitete, konnte ich um 20 Uhr beobachten, wie die ersten drei Teilnehmer über uns starteten und sich auf den Weg ins Ziel machten.

Nach einer weiteren unruhigen Nacht und einem kurzen Frühstück, machte ich mich auf den Weg nach oben. Der Weg führte wieder über eine Teerstraße über 950 hm nach oben zum Startplatz. Nadya fuhr mit dem Auto voraus und kundschaftete immer wieder Abkürzungen für mich aus. Oben Angekommen war es noch zu früh für thermische Bedingungen. Außerdem war der Startplatz in Wolken. Nach einem guten Mittagessen wurden die Bedingungen besser und ich startete kurz nach zwei Teilnehmern aus England. Ich fand etwas rechts vom Start eine Thermik die mich zur Basis ca. 200m über dem Startplatz brachte. Von dort aus ging es los Richtung nächster Wende. Inzwischen sah ich meine zwei Vorflieger tief im Tal bei der Landung. Ich konnte mich nach dem kurzen Talsprung mit einer Mischung aus Prallhang soaren und Thermik wieder nach oben zur Basis retten. Von dort aus waren es noch 6km bis zur nächsten Wende. Allerdings war die Basis ca. 400m unterhalb der Wende und ich konnte keine Möglichkeit zum Toplanden finden. Man muss sich das mal vorstellen, 1300 Höhenmeter ohne eine einzige Chance zum starten oder landen. Also landete ich ein wenig frustriert um 13:30 im Tal Ort unterhalb der Wende. Da das Rennen um 16:00 Uhr zu Ende war, hatte ich somit keine Chance mehr vom nächsten Startplatz zu fliegen. Auch meine Füße waren in sehr schlechtem Zustand, und so beendete ich das Rennen an dieser Stelle nach 125 zurückgelegten Kilometern auf Platz 49.

Schlussendlich war es die richtige Entscheidung, trotz des Wetters nach Annecy zu fahren. Zwar habe ich von den 125km nur 30 in der Luft zurückgelegt und bin mehr gelaufen als mir lieb ist, aber wir haben sehr viel gelernt, was uns bei den X-Pyr von großem Nutzen sein wird. Es waren drei Tage voller Höhen und Tiefen und wir hatten sehr viel Spaß dabei. Ich kann nur jedem empfehlen, an so einem Hike&Fly Wettbewerb teilzunehmen. Es ist ein unglaublich intensives Erlebnis und es ist sehr motivierend zu sehen, wie fit man mit genügend Training werden kann. Die Gewinner haben eine bewundernswerte Leistung gezeigt.

Jetzt ist erstmal Erholung angesagt und dann geht die Vorbereitung für die X-Pyr weiter.

3 Gedanken zu „Bornes to Hike

  1. Super Martin !!:-)
    … und großen Respekt, dass Du mit der Nadya diesen Event so gut gemeistert hast – bei dem schlechten Wetter.
    Wenn wir uns treffen, gibt es zur Belohnung Kaffee und Kuchen

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