Tala_lite2

Das Kortel Kolibri

Vor ziemlich genau einem Jahr hielt ich das Kortel Kolibri zum ersten Mal in den Händen. Ich war auf der Suche nach einem leichten XC Gurtzeug mit LTF Zulassung, mit dem ich bei den X-Pyr antreten wollte. Es sollte aber gleichzeit haltbar genug sein, um noch länger etwas davon zu haben. Bei der Suche im Internet, stieß ich auf das Kolibri von Kortel Design. Als ich es bekam, wollte ich es gleich wieder zurückgeben. Die Abwesenheit von Schnallen, die Dynemaschüre, die zwei Sitzschalen und vor allem die Optik… alles Dinge, die mir etwas zu radikal anders erschienen und mich abschreckten. Das geringe Gewicht von 1,9kg und die Möglichkeit, es Probe zu fliegen, ließen mich einen zweiten Blick riskieren.

Inzwischen gehört es mir schon ein Jahr. Ich habe es viele Kilometer in den Alpen und quer durch die Pyrenäen getragen, habe viele kurze und lange Flüge damit gemacht und bin sehr zufrieden.
Das Kolibri ist ein sehr spezielles Gurtzeug und nicht für jeden Piloten gemacht. Wer sich aber damit auseinandersetzt und ein wenig Zeit in die Einstellungen und Eigenheiten des Kolibris investiert, bekommt ein sehr leichtes, vielseitiges, robustes, bequemes und wirklich durchdachtes XC Gurtzeug.

Foto: Thomas Ide

Foto: Thomas Ide

Es hat mich ein bisschen Zeit gekostet, bis ich die perfekte Einstellung für mich gefunden hatte. Ich fliege gerne liegend und mag viel Feedback vom Schirm. Das Kolibri kann sehr gedämpft sein, aber wenn man den Abstand zwischen Softlinks und Sitzschalen kürzer macht, wird es direkter. Außerdem ist es wichtig die Beinsacklänge richtig einzustellen, so dass der Pilot genügend Druck auf die Fußplatte geben kann. Wenn man die richtige Einstellung für sich gefunden hat, sollte man die Einstellungen mit einem Knoten, wie er auf der Kortel Homepage gezeigt wird, fixieren. Bevor ich das gemacht habe, hat sich zwar in der Luft nichts verstellt, sehr wohl aber manchmal beim Packen. Seit die Einstellungen fixiert sind, ist das kein Problem mehr. Die anderen Einstellmöglichkeiten, eine am Hintern, eine am Rücken, der Brustgurt und die Schultergurte, sind sehr schön in der Luft zu erreichen. Das Kolibri kann sitzend und liegend geflogen werden. Zum Start lasse ich die Schultergurte komplett geöffnet, so komme ich leicht in den Beinsack (was bei Gurtzeugen mit einem so leichten Beinsack nicht selbstverständlich ist).

Mein längster Flug mit dem Kolibri war 6,5 Stunden in den Pyrenäen und ich empfand es trotz der sportlichen Bedingungen als ziemlich bequem. Was mir von Anfang an sehr gut gefallen hat, war die Unterbringung des Rettungsgeräts. Das Rettungsfach ist ein in den Beinsack integrierter Frontcontainer. Der Griff ist perfekt erreichbar. Auf dem Frontcontainer befindet sich das Cockpit. Es bietet ausreichend Platz, gehört aber nicht zu den größten. Eine weitere Befestigungsmöglichkeit für ein Spot oder ein Vario ist ein Flausch auf dem linken Schultergurt. Auf der rechten Seite des Beinsacks befindet sich eine große Tasche, die per Reisverschluss geöffnet wird. Ich verstaue dort immer meine Kamera und etwas zum Essen. Es gibt noch einen großen Stauraum am Rücken, in dem Befestigungen für Stöcke und Trinkblase vorhanden sind. Zusätzlich gibt es einen großen Stauraum unter den Sitzschalen, inkl. kleiner Ösen zur Fixierung von „schwerem“ Gepäck. Hinter diesem Stauraum befindet sich ein weiterer Reisverschluss. Wird dieser geöffnet, kommen die zwei Protektoren zum Vorschein. Diese können sehr leicht entfernt werden und man kann den freigewordenen Platz als Stauraum verwenden. Die beiden Schaumstoffelemente die den Protektor bilden, wiegen zusammen 300 Gramm. Sie befinden sich unter dem Steiß. Hinter der Rückentasche befindet sich zusätzlich ein Airbag der den ganzen Rücken schützt. Er wird über zwei Öffnungen, die an der Seite des Gurtzeugs angebracht sind, befüllt.

Eine weitere Besonderheit am Kolibri sind die Karabiner. Hier verwendet Kortel sogenannte Softlinks. Es können aber auch Schraubschäkel verwendet werden. Ich habe Softlinks bereits vor dem Kolibri an meinem Ultraleichtgurtzeug verwendet und war den Anblick und die Handhabung bereits gewohnt.
Die Softlinks kommen ursprünglich aus dem Segelsport und finden auch beim Fallschirmspringen Verwendung. Bei einem Gurtzeug, das wie das Kolibri so konsequent und intelligent auf ein geringes Gewicht ausgelegt ist, sind Softlinks der logische nächste Schritt.
Das Kolibri lässt sich sehr klein Packen. Am besten funktioniert es, wenn man die zwei Protektoren entfernt, was mit ein paar wenigen schnellen Handgriffen erledigt ist. Dann legt man Fußbrett und Rettung auf die Sitzschalen, und klappt das Rückenteil darüber ein. Mit den zwei Schaumstoffpolstern kann man den Packsack ausstopfen.
Wie am Anfang bereits gesagt, fliege ich das Kolibri nun schon ein Jahr und habe es viel benutzt. Das Material ist wirklich sehr gut gewählt. Am Gurtzeug gibt es keine Beschädigungen oder übermäßige Abnutzungserscheinungen.

Seit Weihnachten bin ich zudem stolzer Besitzer eines Kolibri Packsacks. Sobald ich ihn bei ein paar schönen Hike&Fly Touren gebührend eingeweiht habe, schreibe ich ein paar Zeilen dazu.

5 Gedanken zu „Das Kortel Kolibri

  1. Hi Martin,

    Schöner Bericht über das Kolibri! Ist das ein Tala Lite den Du da fliegst – vielleicht magst Du zu diesem schönen Schirm auch was schreiben!

    Lieben Gruß

    Alexandra

  2. Hi Alexandra,

    ja das ist ein Tala Lite S. Mir gefällt sein Handling sehr gut. Er steigt ziemlich gut obwohl ich ihn ein bischen überladen fliege. Gewicht und Packmaß sind natürlich ein Traum. Lediglich ein bischen mehr Topspeed (~+11km/h mit Beschleuniger) würde mir gefallen.

    Liebe Grüße
    Martin

  3. Hallo Martin,

    ich wollte mich auf dem Weg noch einmal für deine Beschreibung und die weiteren Infos, die Du mir per Mail geschickt hast bedanken. Ich habe mir das Kolibri im Winter gekauft und bin es jetzt eine Flugwoche mit an 7 Tagen mit jedem Tag mindestens 2h Airtime geflogen. Teils im Stubaital, teils in Bassano und ich muss sagen, dass ich mindestens genauso zufrieden bin wie Du mit dem Gurtzeug. Wir sind viel gewandert und es lässt sich super verstauen und durch das leichte Gewicht angenehm tragen. Ich bin vorher noch nie ein Gurtzeug mit Beinverkleidung geflogen und ich bin sehr begeistert davon. Nach dem Start kommt man sehr entspannt ohne die Hände zu benutzen in den Beinsack. Auch der Beschleuniger lässt sich selbst mit meinen Salomon Speedcross Schuhen mit heftigem Profil gut treten, ohne dass man an dem Beinsackmaterial hängen bleibt (entgegen anderen Erfahrungsberichten im Netz). Die Frontrettertasche finde ich etwas klein und die Verschlussschlaufen davon wären besser elastisch ausgeführt finde ich. Beim Fliegen ist es sehr angenehm darin herumzucruisen und auch in turbulenter Luft lässt es sich prima damit leben. Super ist auch, dass man die Beine anwinkeln kann und normal im Sitzen weiterfliegen kann. So erhöht sich der Luftwiderstand und man kann effizienter in der Thermik kreisen.

    Danke Dir noch einmal und schöne Grüße,

    Tobi

  4. Hallo liebe Kolibir-Profis

    Ich habe nun zwei Flüge mit dem Kolibri gemacht und habe noch recht Mühe mit dem Einstieg. Könnt Ihr mir Eure Methode bitte ausführlich beschreiben? Ich habe das Gurtzeug zu Hause aufgehängt und den Einstieg geübt – da geht es besser wenn man sitzen bleibt und nicht nach vorne lehnt, da sonst der Beinsack nach unten/hinten wandert und schwierig zu erreichen ist. Im Flug ging das bisher weder mit Vor- noch mit Rücklage gut. Ich bin Euch für jeden Tipp dankbar. Ein weiteres Merkmal: Die trapezförmigen farbigen Aufhängungen an den Beinschlaufen kommen doch arg nah Richtung Kronjuwelen… au au au beim Start. Auch hier: Irgendwelche Erfahrungen? Herzlichen Dank und liebe Grüsse, Peter

Hinterlasse einen Kommentar zu Martin Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>