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Biwak zum Achensee

Beim Biwakfliegen geht es darum, sich nur zu Fuß und mit dem Gleitschirm fortzubewegen. Die Idee fasziniert mich schon seit Langem. In diesem August ergab sich nun endlich die perfekte Gelegenheit dazu: Nadya war für ein 3 Tage Sicherheitstraining am Achensee angemeldet. Mir kam dann recht schnell die Idee, diese Tage zu nutzen, um von zu Hause an den Achensee zu fliegen und zu laufen.


Das besagte Wochenende rückte näher und das Wetter sah ganz passabel aus. So nahm ich mir einen Tag Urlaub, packte alle Sachen und schaute mir die Strecke an. Am Donnerstag regnete es noch stark und ich entschloss mich, den Start auf Freitag früh zu legen. Der Wecker klingelte und nach einem kleinen Frühstück ging es um 6:30 los. Der Himmel war fast wolkenlos und die Feuchtigkeit vom Vortag konnte man gut sehen. Vor mir lagen 4 Stunden Fußweg bis zu meinem Startplatz. Der Weg schlängelte sich durch ein Tal an einem Bach entlang immer weiter bergauf. Aus der Teerstraße wurde ein Kiesweg und aus dem Kiesweg ein einfacher Wanderweg. Nach den ersten Metern durch das nasse Gras, welches den Weg säumte, waren meine Schuhe und Hosenbeine komplett durchnässt.


Um halb elf erreichte ich den Gipfel. Die Basis war noch sehr tief und durch den großflächigen Schatten der vielen Wolken war nicht zu erwarten, dass die Wiesen schnell trocknen würden. Um warm zu bleiben, beschloss ich den Grat noch weiter entlang zu wandern. Ich folgte dem Grat für 45 Minuten bis zu einem Punkt, den ich für den letzten möglichen Startplatz hielt. Dort versuchte ich, meine Füße und Klamotten zu trocknen und wartete auf gute Bedingungen. Währenddessen beobachtete ich immer wieder Gleitschirme, die am Alpenrand bereits gut fliegen konnten. Dort waren die Bedingungen deutlich sonniger als bei mir. Obwohl die Verhältnisse nicht besser wurden, machte ich mich startbereit. Als ich nordseitig an einem kleinen Ausläufer des Berges einen Bussard drehen sah, zog ich auf, stolperte und fiel auf den Rücken. Ich rappelte mich wieder auf, richtete den Schirm her und startete. Der Vogel war natürlich lange weg und ich entschied mich, über den Grat in die Südseite zu fliegen. Dort fand ich, wie zu erwarten, im Schatten keine Thermik. Nach einem kurzen Flug fand ich mich um 14 Uhr in einer Kuhweide wieder und ärgerte mich über meine Ungeduld.

Ein kurzer Blick auf die Karte und mir wurde klar, dass es in meiner näheren Umgebung keinen Berg mit Startplatz gab. Die nächste Möglichkeit war der etwa 10 km Luftlinie von mir entfernte Laber. Wenn ich dort heute noch fliegen wollte, gab es nur eine Möglichkeit: Per Anhalter fahren. Ich entschied mich dagegen. Also packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg. Mein Plan war wie folgt: Zum Laber laufen, unterwegs Wasser und Proviant auffüllen, um dann, falls die Bedingungen es zuließen, von dort am Abend noch einen Flug zu machen.

Als ich in Ettal angekommen war, gönnte ich mir erst einmal einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Ein weiterer Blick auf die Karte verriet mir, dass es kurz vor dem Einstieg zum Wanderweg auf den Laber eine Kneippanlage gibt – der perfekte Platz, um ein wenig Fußpflege zu betreiben. Mit sauberen Füßen, frischen Socken und aufgefüllten Wasservorräten ging es dann auf den Laber. Ich muss zugeben, der Aufstieg war ganz schön zäh. Ich war ziemlich geschafft, als ich oben ankam. Als ich sah, dass es oben keine bewirtete Hütte gab und mein Abendessen aus einem Müsliriegel bestehen würde, war ich doch ein wenig bedrückt. Nachdem ich mir mein Bett unter dem Dach der Bergstation gerichtet hatte, genoss ich noch den Sonnenuntergang, telefonierte ein wenig und legte mich dann schlafen.

In der Nacht kühlte es auf unter 7°C ab und ich musste feststellen, dass mein Daunenschlafsack zwar im Prinzip recht warm hält, aber nur wenn es keinen Wind gibt. Nach einer wenig erholsamen Nacht freute ich mich auf ein üppiges Frühstück im Restaurant der Bergstation. Bis zur Öffnung derselben wärmte ich mich an der Sonne und überlegte mir meine weitere Route. Der direkte Flugweg über Wank und Krün erschien mir aufgrund der immer noch recht starken Restfeuchte zu riskant. Trotz des deutlichen Umwegs gefiel mir die Route über Daniel und Zugspitzsüdseite besser. Für den Sonntag war starker Wind vorhergesagt, also musste ich heute so weit wie möglich fliegen, wenn ich in meinem Zeitfenster am Achensee ankommen wollte.

Das Wetter entwickelte sich besser als am Vortag, allerdings zogen immer wieder Zirrenfelder durch und machten es der Thermik schwer. Ein einheimischer Pilot wagte einen Start um 11 Uhr, fand keine Thermik und soff ab. In der Südseite bildete sich immer wieder ein Wölkchen und ich entschied mich zu starten. Ich machte mich fertig, startete und flog direkt über den Grat in die Südseite. Dort ging es schön nach oben zur Basis auf 2250m. Mit dieser Basishöhe würde das heute kein Hammertag werden. Von dort ging es weiter über Notkarspitze und Kramer zum Daniel. Dort konnte ich neben der Wolke auf 2700m aufdrehen. Die Basis im Inntal war sehr tief und so stand die weitere Route fest. Ich setzte zum Talsprung zur Westseite der Zugspitze an. Dort kam ich in Höhe der Geröllfelder an. Nach einer Weile fand ich eine Thermik und konnte wieder gut Höhe machen. Über die Südseite des Zugspitzmassivs ging es in Richtung Seefelder Plateau, welches ich nördlich querte. Vor mir lag das Karwendel. Ziemlich beeindruckender Ausblick. Aufgrund des prognostizierten Nordostwindes und meines “engen” Zeitplans blieb ich in der Zivilisation und flog Richtung Innsbrucker Nordkette. Dort waren die Wolken tiefer und mit angelegten Ohren gings nach unten zur Basis. Die Nordkette ließ dann schnelles Geradeausfliegen mit wenigen Kreisen zu. Kurz nach Absam bog ich in Richtung Norden ab und flog in direkter Linie in Richtung Pertisau. Nach einem langen Abgleiter landete ich müde und glücklich nach 4 Stunden Flug neben meiner Freundin, die mich erstmal zum Duschen schickte :)

Mein Fazit: Jederzeit wieder und gerne länger!!!

Der Flug im DHVXC

Meine Packliste:

UP Trango XC3 SM 4,7kg
Schlauchpacksack 0,35kg
Kortel Kolibri 1,9kg
Kortel Kolibri Sak 0,8kg
Rettung 1,3kg
Helm 0,3kg
Mini Tablet zur Navigation/Fluginstrument 0,2kg
Le BipBip Vario
Handy
Akkupack 0,3kg
Daunenschlafsack 0,9kg
Isomatte 0,4kg
Wechselkleidung ~1kg
Daunenjacke 0,2kg
GoreTex Jacke 0,4kg
Müsliriegel 0,4kg
Wasser 3kg

4 Gedanken zu „Biwak zum Achensee

  1. Das ist ein schöner Bericht. Danke, dass du dein Erlebnis teilst. Ich finde es vor allem spannend, wie du das puristische- spartanische beschreibst. Das macht ja auch den Reiz aus. Jedenfalls fühle ich mich angesprochen, auch so ein “kleines Abenteuer” zu wagen.

    Viele Grüße Holger

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