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X-PYR 2016 – Wandern zu zweit

Dieses Jahr traten Nadya und ich zum zweiten Mal bei den X-Pyr an. Bei diesem Wettbewerb geht es darum die Pyrenäen zu Fuß und mit dem Gleitschirm von West nach Ost, von der Atlantik- zur Mittelmeerküste zu durchqueren.

In diesem Jahr sollten wir weniger Glück mit dem Wetter haben als bei unserer ersten Teilnahme, was mir meine Defizite bei der Fitness deutlich vor Augen geführt hat.

Tag 1

Quelle: Google

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Am Sonntag den 17. Juli um 11 Uhr startete das Rennen zusammen mit 30 anderen Teams am Strand in Hondaribbia. Ich entschied mich dazu das Rennen wie beim letzten mal langsam anzugehen und wanderte die 20km bis zum ersten Wendepunkt, Larun mit 870m, in normalem Tempo. Nordspanien wurde an diesen Tagen von einer Hitzewelle erfasst und so hatte es bereits zum Start des Rennens Temperaturen über 30°C. Ich traf mich an den vereinbarten Punkten mit Nadya, um Wasser nachzufüllen und Kleinigkeiten zu essen. Nach 3 Stunden traf ich am Fuße des Berges ein und zusammen mit meiner Supporterin ging es bei brütender Hitze auf den Berg. Unterwegs konnten wir ein paar andere Teilnehmer überholen, mussten aber auch zwei mal den spärlichen Schatten nutzen, um ein wenig abzukühlen. Oben angekommen konnten wir den startenden Piloten bei der vergeblichen Thermiksuche zuschauen und ich machte mich gemütlich an die Startvorbereitungen. Mein Flug dauerte nicht sehr lange und wenige Kilometer später landete ich am Fuß des nächsten Hügels ein, packte zusammen und machte mich an den erneuten Aufstieg. Nach dreihundert Höhenmetern fand ich eine kleine Startmöglichkeit und kurze Zeit später war ich wieder in der Luft.DSC02590
Ich konnte im nun stärkeren Nordostwind ein wenig Höhe machen und flog weiter die Ridge entlang. Je weiter ich flog desto mehr kam der Wind parallel zur Kante und schließlich schluckte mich das Lee eines Hügels, was mich zum Landen zwang. Ein paar Kilometer und Höhenmeter weiter, auf einem kleinen Straße kurz vor einem möglichen Startberg, schlugen wir das Lager für die Nacht auf.

Tag 2

Quelle: Google

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In der Früh wurden wir vom sehr starkem Südwind geweckt, der die Hoffnung auf einen Flug gleich wieder zunichte machte. Wir verabredeten uns zum Frühstück am Ende der Straße und ich machte mich auf den Weg. Eine Stunde später, immer noch keine Spur von nachlassendem Wind, entschied ich mich für einen Wanderweg, der zu einem Berg in der Nähe des Passes führte, an dem wir beim letzten X-Pyr die erste Nacht verbracht hatten. IMG_20160718_094314508_HDRDie Wanderung war traumhaft und zwei Stunden später befand ich mich am 1000m hohen Gipfel des Buztanzelhai. Der Wind hatte ein wenig nachgelassen war aber immer noch sehr böig. Im Livetracking entdeckte ich Lars auf einem Gipfel ein wenig weiter unten und ich entschloss mich mangels eines Startplatzes zu ihm abzusteigen. Als ich bei ihm ankam, konnte ich nur noch zusammen mit seinem Supporter Pedro den Start beobachten. Die Luft war wie erwartet sehr sportlich und Lars ließ sich mit viel Seitenwind ins Tal schieben. Ein weiterer Teilnehmer startete weiter unten am Pass im Lee und hatte mit heftigen Turbulenzen zu kämpfen. Ich beobachtete die Bedingungen ein Weilchen und entschied mich dann auch zu fliegen. In der zerrissenen Thermik konnte ich ein wenig Höhe machen und flog hinaus ins Tal. Ich versuchte mein Glück an einem Berg an der nördlichen Talseite, fand dort aber nichts und landete. Kurze Zeit später war Nadya bei mir und bei einem kleinen Mittagessen DSC02572besprachen wir das weitere Vorgehen. Das Thermometer lag schon wieder deutlich jenseits der 30°C und Nadya ermutigte mich, dem Berg der mich kurz vorher verschmäht hatte eine zweite Chance zu geben. Also machte ich mich frisch gestärkt an den schweißtreibenden Aufstieg. Nadya fuhr mit dem Auto bis kurz vor den Gipfel, wo wir uns dann knappe zwei Stunden später trafen. Hier trafen wir auch einen weiteren Piloten der sich aber beim Mittagessen viel Zeit ließ. Die Geier konnten bereits gut Höhe machen und ich machte mich an den Start. Der Wind hatte inzwischen stark nachgelassen, aber die Thermik war stumpf und ich benötigte viel Zeit, um ausreichend Höhe für den nun kommenden Talsprung zu machen. Der zweite Pilot startete wenige Minuten nach mir, fand aber nichts und musste im Tal landen. Mir gelang DSC02604der Talsprung auf die andere Seite. Dort konnte ich noch ein paar Vögeln beim Aufdrehen zuschauen, aber als ich ankam, war die Thermik weg und ich landete in einer Wiese am Hang. Nach einem kurzen Aufstieg ging es weiter auf der Hügelkette entlang in Richtung nächster Wende. Inzwischen war der Wind komplett eingeschlafen und es waren keine Geier mehr zu sehen. Nach ein paar Kilometern war mein Wasser fast aufgebraucht und ein Milan der etwas Höhe machte und ein leichter thermischer Aufwind ermutigten mich einen dritten Start zu wagen. Außerdem war es selbst bei einem Abgleiter verlockender im nun schattigen Tal zu wandern, als oben ohne Wasser in der Hitze zu schmoren.
Der Flug wurde wirklich nur ein Abgleiter und nach einem kurzen Treffen mit Nadya ging es IMG_20160718_205518570frisch betankt an den Pass auf den Col d’Iraty. Bis zum Orhi mit seinen 2000m lagen etliche Kilometer und knackige 1700 Höhenmeter vor mir. Davon wollte ich zumindest am Abend noch die ersten 600 schaffen bevor es nach einem leckeren Essen und einer kurzen Katzenwäsche um 23 Uhr ins Bett ging. Um am nächsten Tag Mittags am Orhi am Startplatz zu stehen, stellten wir den Wecker auf kurz nach fünf.

Tag 3

Quelle: Google

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In der Nacht blies der Wind mit mindestens 60km/h ums Auto und wir konnten kaum schlafen. Pünktlich um 5:30 Uhr machte ich mich auf den Weg. Der starke Gegenwind machte den Anstieg noch anstrengender und ich konnte an nichts anderes wie ans Schlafen denken. Nach 3 Stunden Wanderung trafen wir uns zum Frühstück. Der Wind ließ nicht nach und der Wetterbericht versprach kein Flugwetter. Wegen dem starken Wind entschieden wir uns für einen etwas längeren Weg auf den Orhi. Der kürzere, zum Teil ausgesetzte Gratweg erschien uns bei dem starken Wind und dem wenigen Schlaf zu IMG_20160718_101210607gefährlich. Trotzdem standen wir um 12 Uhr auf dem Gipfel. Der Zylinder des Wendepunkts hatte 100m aber die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel ließen wir uns nicht nehmen. Nachdem wir die Aussicht genossen hatten ging es auf der anderen Seite des Berges wieder hinunter zum Startplatz. Dort warteten schon zwei Piloten auf weniger Wind, ich entschied mich dazu weiter zum Pass zu gehen. Nadya machte sich an den Rückweg zum Auto. Am Pass traf ich Demetrio, einen spanischen Teilnehmer, der mich sofort auf Mittagessen und Kaffee in sein Wohnmobil einlud. Sein Team, bestehend aus 5 Leuten, versorgte mich mit Essen und Wasser und wir entschlossen uns beide für den Abstieg ins Tal nach Isaba. Zunächst verlief der Abstieg sehr angenehm entlang eines Wanderwegs, folgte aber dann bald der Passstraße. Zwei Stunden später und tausend Höhenmeter tiefer traf ich Nadya und wir nutzten einen Bach für ein kleines Erfrischungsbad. Inzwischen hatte ich mir mehrere Blasen gelaufen und nachdem wir diese versorgt hatten ging es auf der Straße weiter. Währenddessen war es schon spät am Tag und wir konnten ein paar Piloten beim fliegen beobachten. Leider meldete sich auf den nächsten Kilometern meine Achillessehne und so beschlossen wir den Tag nach 70km an einem kleinen Parkplatz.

Tag4

Quelle: Google

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Der Wetterbericht meldete starken Wind und starke Gewitter ab Mittag und nach den ersten 10 Kilometern bis Isaba war klar, dass mit meiner gereizten Sehne heute nicht viel zu gewinnen war. Wir entschieden uns für einen Ruhetag in der Ortschaft mit der Hoffnung auf Flugwetter und das sich mein Fuß bis zum nächsten Tag erholt.

Tag 5

Quelle: Google

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Wir starteten den Tag um 7 und machten uns auf einer Teerstraße auf zu einer Antenne am Gipfel. Auf meinen Karten waren in dieser Gegend keine Wanderwege eingezeichnet und so hielten wir uns an die Straße. Oben angekommen mussten wir feststellen, dass es keine Startmöglichkeiten gab. Nur Bäume und Felsen. Ich hatte in einer Kehre zweihundert Höhenmeter weiter unten einen Wanderweg entdeckt und wir machten uns auf den Weg nach unten. Wir folgten dem Wanderweg und er führte uns zu einer riesigen Wiese am Gipfel. Auch heute war der Wind wieder sehr stark und wir beobachteten das Ganze eine Weile. Der Wind war grenzwertig und es versprach kein schöner Flug zu werden. Im Tal vor uns gab es nur Wald ohne jede Landemöglichkeit. Ich entschied mich gegen einen Flug und machte mich auf dem Grat weiter zu folgen. Allerdings merkte ich schon die ersten Meter bergab, dass sich die Schmerzen in meiner Sehne deutlich verschlimmert hatten, und ich traf mangels Aussicht auf Flugwetter die Entscheidung das Rennen zu beenden.

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Im Vergleich zum letzten mal hatten wir wirklich Wetterpech. Lediglich eine Dreiergruppe bestehend aus Chrigel, Aaron und Standa konnten sich am ersten Tag durch einen unglaublichen Kraftakt absetzen und hatten am zweiten Tag ab dem Ori tolle Flugbedingungen. Damit konnten sie den Abstand zum restlichen Teilnehmerfeld deutlich vergrößern. Die restlichen Piloten hatten ständig mit schlechtem Wetter und grenzwertigen Bedingungen zu kämpfen und so wurde das ganze für uns zu einem Wanderwettbewerb, ohne Aussicht das Ziel vor Ende des Rennens zu erreichen. Die Dreiergruppe konnte die Pyrenäen in Rekordzeit von nur 3 Tagen durchqueren. Eine unglaubliche Leistung.

Meine Ausrüstung konnte ich dieses Jahr nochmal deutlich erleichtern und mit dem Kolibri Pro und dem Ozone LM6 hatte ich wirklich konkurrenzfähiges Equipment. Leider konnte ich meine Stärke, das Fliegen, nie wirklich einsetzen und dass beim Laufen nicht viel zu gewinnen war, wussten wir schon vorher. Trotzdem hätte ich gerne bis zum letzten Tag gekämpft. Da ich aber nicht bereit bin meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen, hörte ich auf die Signale die mir mein Körper gab und brach das Rennen ab.

Mein Dank gilt meiner tollen Supporterin Nadya, die sich ausgezeichnet um mich gekümmert hat und wo es nur ging mit mir gewandert ist. Außerdem möchte ich mich bei meinen Sponsoren Pauly Consult, ekochem, Kortel Design, Stodeus, Ozone und allen meinen Freunden, die mich so toll vor und während der X-PYR unterstützt haben, bedanken. Ohne Euch wäre mir ein tolles Abenteuer entgangen.

Ein Gedanke zu „X-PYR 2016 – Wandern zu zweit

  1. Hi Martin,

    grade habe ich deinen Bericht gelesen. Mit dem Wetter hast du scheinbar etwas Pech gehabt. Ich bin noch ganz blutiger Anfänger und Grundschulkurs Absolvent aber von Abenteuern wie deinen zu lesen verkürzt die Zeit bis zum Weitermachen ungemein.

    Wirst du dieses Jahr wieder teilnehmen?

    VG

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